Cannabis Schimmel erkennen und bekämpfen: Der ultimative Leitfaden gegen Bud Rot (Grauschimmel)

Cannabis-Schimmel – besonders Bud Rot / Botrytis – kann in wenigen Tagen eine ganze Ernte ruinieren. Damit es gar nicht erst so weit kommt, bekommst du hier unseren erweiterten WeedSamen-Guide: Schimmel früh erkennen, richtig handeln und mit gezielter Prävention dauerhaft vermeiden – Indoor & Outdoor, inklusive IPM-Wochenplan, Checklisten, regionalen Tipps für Deutschland, Fallbeispielen und Sortenempfehlungen.

Indoor-Grow: gesunde Blüte vs. Bud Rot (grauer Schimmel, braune Stellen)

Was ist Bud Rot (Botrytis)?

Bud Rot wird durch Botrytis cinerea verursacht. Der Pilz liebt feuchte, schlecht belüftete Bedingungen und befällt vor allem dichte Blüten. Er startet oft unsichtbar im Inneren und macht Buds brown & mushy (matschig) – begleitet von modrigem Geruch.

  • Optik: grauer, flauschiger Belag, anschließend braune, zerfallende Pflanzenmasse
  • Begleitzeichen: Zuckerblätter um die Blüte werden spröde, sterben ab
  • Verlauf: von innen nach außen → späte Sichtbarkeit = hohes Risiko
Vergleich: gesunde Cannabisblüte vs. Bud Rot mit grauem Belag

Früherkennung: Trichome vs. Schimmel

Trichome sind glitzernde, klebrige Harzdrüsen. Schimmel wirkt matt, faserig, gräulich/bräunlich. Daily-Routine ab Blütebeginn:

  • Hotspots öffnen: Großtopps vorsichtig spreizen, Zentrum prüfen.
  • Geruchstest: Muffig/erdig statt fruchtig/terpenig = Alarm.
  • Lupe/USB-Mikroskop: Kristall vs. Faserstruktur sicher unterscheiden.
Erste Schimmel-Anzeichen: gelb-bräunliche Flecken, feiner Belag auf der Blüte

Ursachen: Klima, Pflege, Genetik

Schimmel ist fast immer das Ergebnis aus zu hoher Luftfeuchte, stehender Luft, Temperatur-Drops und/oder überdichter Blütenstruktur. Häufige Auslöser:

  • Klima: Blüte-LF > 60 %, Nacht-Kälte → Kondens im Blätterdach
  • Gießverhalten: Spät abends wässern → nasses Laub in der Dunkelphase
  • Pflege: Keine Defoliation; „Laubdecken“ verhindern Luftaustausch
  • Genetik: Ultra-dichte Buds in feuchten Regionen
  • Schädlinge: Trauermücken, Thripse → Wunden/Mikrobeherde
  • Hygiene: Wiederverwendete, feuchte Erde/Töpfe → Sporen-Quelle

Vergleichstabelle: Risiken & Lösungen

Problem Woran erkennst du es? Sofortmaßnahme Dauerhafte Lösung
LF zu hoch (Blüte) Hygrometer zeigt > 60 %, schwitzendes Laub Entfeuchter + Abluft hochfahren Blüte-LF 40–50 %, bessere Umluft, Gießzeiten anpassen
Stagnierende Luft „Tote Zonen“, Blätter bewegen sich kaum Zusätzlichen Clip-Venti setzen Versetzte Umluft, Canopy „wellen“ lassen, ScrOG
Nacht-Kälte Beschlag/Kondens morgens an Buds Nacht-Temp anheben 17–20 °C nachts, sanfte Übergänge, Isolieren
Zu dichtes Blattwerk Schattennester, feuchte Taschen Defoliation der Innen-/Unterzone LST/Topping/Main-Lining, luftige Struktur
Genetik passt nicht Dicke, feste Buds in feuchter Lage Frühzeitige Defoliation Robuste Sorten wählen (siehe unten)

Sofortmaßnahmen bei Befall

  1. Isolieren & schneiden: Befallene Buds großzügig entfernen; Schere/Handschuhe desinfizieren.
  2. Klima schocksenken: LF auf 40–45 %, Umluft/Abluft erhöhen, frische Filter prüfen.
  3. Abfall sicher entsorgen: Luftdicht in den Restmüll; nicht kompostieren.
  4. Reinigen: Zelt/Wände/Böden wischen; Töpfe/Untersetzer säubern.
  5. Monitoring: Nächste 7 Tage täglich Hotspots checken.
Umluft- und Abluftsystem: bessere Luftzirkulation gegen Schimmel
Biologische Unterstützung (frühe Stadien): EM (Effektive Mikroorganismen), verdünnte Neem-Lösungen oder zugelassene Bio-Fungizide gemäß Herstellerangaben einsetzen. In späten Blütewochen Sprays meiden.

IPM-Wochenplan (Indoor/Outdoor)

IPM = Integrated Pest Management kombiniert Hygiene, Monitoring, Kulturmaßnahmen und biologische Mittel.

Woche Indoor – Tasks Outdoor – Tasks Ziel
Veg 1–2 Umluft setzen, LF 60–70 %, erstes LST Standort prüfen (Sonne/Wind), Abstand zu Wänden/Hecken Struktur luftig anlegen
Veg 3–4 Defoliation innen, Gießrhythmus optimieren Regenperioden antizipieren (evtl. Regenschutz) Feuchte Taschen vermeiden
Blüte 1–2 LF 50–55 %, ScrOG spannen, Hotspots markieren Stützen/Netze, untere Triebe ausdünnen Gleichmäßige Luft & Licht
Blüte 3–5 LF 45–50 %, keine späten Gießungen Nach Regen schütteln/auslüften, Mulch reduzieren Kondens vermeiden
Blüte 6–8+ LF 40–45 %, tägliche Checks der Tops Selektive Defoliation, ggf. frühere Ernte riskanter Tops Bud Rot verhindern

Prävention: Mikroklima, Training & Hygiene

Mikroklima

  • Blüte: 40–50 % LF; Temperatur 20–26 °C (Nacht ≥ 17 °C).
  • Umluft versetzt, kein Dauerstrahl auf Buds; Abluft mit Unterdruck.
  • Gießen 3–6 h vor Licht aus → Laub trocknet rechtzeitig ab.

Training

  • LST/Topping/Main-Lining: Luftige, breite Struktur.
  • Defoliation: Innen & unten auslichten; in Blüte dosiert fortführen.
  • ScrOG: Gleichmäßiges Dach → weniger Feuchtenester.

Hygiene

  • Werkzeuge/Handschuhe desinfizieren; verschüttetes Wasser sofort entfernen.
  • Alte Erde/Töpfe nach Schimmelverdacht nicht recyceln.
  • Schädlinge (Trauermücken/Thripse) früh bekämpfen; Gelbtafeln einsetzen.

Regionale Outdoor-Tipps (Deutschland)

  • Norden/Küste: Wind gut, aber feuchte Luft. Sorten mit luftigen Buds wählen, Regenschutz bereithalten.
  • Westen (NRW): Wechselhaft; frühreife Genetiken, großzügige Abstände, Topf-Drainage top.
  • Süden (Alpenvorland): Tau & Temperaturdrops → morgens Kondens. Frühsonne wichtig, Defoliation konsequent.
  • Osten: Teils trockener, aber Kaltluftnächte: Nacht-Kälte im Blick, spät abends nicht gießen.

Trocknen & Curing ohne Schimmel

  • Trocknen: 18–22 °C, 50–60 % LF, 7–10 Tage, dunkel; Luft in Bewegung, aber keine direkte Strömung.
  • Curing: 4–8 Wochen in Gläsern, erste 14 Tage täglich „burpen“. Grove Bags TerpLoc® als Alternative/Ergänzung.
  • Warnzeichen: Muffiger Geruch im Glas → sofort trocknen lassen, LF neu einstellen.
Trocknungsraum mit kontrollierter Luftfeuchte und sanfter Umluft

Fallbeispiele aus der Praxis

Case 1 – Indoor, dichte Indica, späte Gießung

Problem: Spät abends gegossen → nasses Laub in Dunkelphase → Kondens in den Tops. Lösung: Gießzeit vorziehen, LF senken, Innen-Defoliation, befallene Stellen großzügig entfernen.

Case 2 – Balkon, Herbstregen, kaum Umluft

Problem: Mehrere Regentage, dichter Stand, kein Ventilator. Lösung: Regenschutz, Pflanzenabstand, Clip-Venti (leise), luftige Sortenwahl für nächste Saison.

Case 3 – Outdoor, Trauermücken

Problem: Larven schädigen Wurzeln → Pflanze geschwächt, anfälliger für Botrytis. Lösung: Gelbtafeln, Substrat antrocknen lassen, Nützlinge einsetzen, Drainage verbessern.

Kaufempfehlungen: robuste Sorten

Genetik entscheidet. Diese Sorten sind bei hoher Feuchte/wechselhaftem Wetter bewährt:

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Glossar: wichtige Begriffe

  • Botrytis: Erreger von Bud Rot; liebt Feuchte und stehende Luft.
  • Defoliation: Entfernen von Blättern zur besseren Belüftung.
  • IPM: Integriertes Pflanzenschutz-Management (Prävention + Monitoring + mildes Eingreifen).
  • ScrOG: Screen of Green; Netz führt zu flachem, luftigen Canopy.
  • LF: Relative Luftfeuchte.

Checkliste: Schimmel vermeiden (Quick-Run)

  • ✓ Blüte-LF 40–50 %, Temp 20–26 °C (Nacht ≥ 17 °C)
  • ✓ Umluft versetzt, Canopy bewegt sich leicht („Wellen“)
  • ✓ Gießen mind. 3 h vor Licht aus
  • ✓ Innen-/Unterzone defolieren, ScrOG/LST nutzen
  • ✓ Hotspots täglich checken (große Tops)
  • ✓ Werkzeuge/Handschuhe sauber & desinfiziert
  • ✓ Schädlinge (Trauermücken/Thripse) früh im Griff
  • ✓ Trocknen 18–22 °C/50–60 % LF; Curing kontrolliert

Weiterführende Guides

FAQ – Cannabis-Schimmel (Bud Rot)

Wie unterscheide ich Trichome von Schimmel?

Trichome: klar/milchig, glitzernd & klebrig. Schimmel: matt, faserig, grau/bräunlich, modriger Geruch. Lupe/USB-Mikro hilft.

Kann ich leicht befallene Buds retten?

Nur bei kleinem, klar abgrenzbarem Befall: großzügig wegschneiden, desinfizieren, Klima optimieren. Stark befallenes Material entsorgen.

Welche LF ist ideal in der Blüte?

40–50 %. Bei akuter Schimmelgefahr kurzfristig 40–45 %.

Hilft UV-C oder Ozon?

UV-C/ Ozon können Sporen reduzieren, sind aber kein Ersatz für Klima-Kontrolle, Umluft und Hygiene. Vorsicht bei Sicherheit & Anwendung.

Welche Sorten sind schimmelresistenter?

Hollands Hope, Northern Lights Auto, Durban Poison – bewährt bei wechselhaftem, feuchtem Klima.

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